Bayern wieder fast 1 Grad wärmer bzw. Bayern trocknet aus (Leserbrief)

Augsburg, 04.07.2008

Leserbrief zu den Artikeln „Bayern wieder fast 1 Grad wärmer“ (Titelseite), bzw. „Bayern trocknet aus“ (S.4) v. 02.07.2008 in der tz München

Es ist geradezu erschreckend, mit welch unglaublicher Sorglosigkeit heutzutage Daten verfälscht, Tatsachen verdreht und sinnlose Schlussfolgerungen gezogen werden, um „griffige“ Schlagzeilen zu bekommen. Oder anders gesagt: Es ist kaum zu glauben, dass man mit derart geballter meteorologisch-klimatologischer Inkompetenz, wie in o.a. Artikel gezeigt, ein Forum zur Verfügung gestellt bekommt, um wirklich krassen Unsinn zu verbreiten!

Daher hier einige Korrekturen: Das Temperaturmittel der Jahre 1961 bis 1990 war in München nicht 7,2 Grad, sondern fast 9,2 Grad, die willkürlich herausgegriffene Periode 2001 bis 2005 hatte ein Mittel von 9,8 Grad und nicht 8,2 Grad, war also nicht um 1,0, sondern nur um 0,6 Grad wärmer – wobei anzumerken ist, dass eine Periode von 5 Jahren für klimatologische Betrachtungen nicht die geringste Aussagekraft besitzt! Vermutlich hat der Informant die Daten von München-Riem verwendet und sie mit Erding oder sonst einer Station verglichen – eine klimatologische Todsünde!

Des weiteren: „Dass die Wintertemperatur stark zunimmt, war bislang klar“ heißt es an anderer Stelle, klar aber wohl nur für jemanden mit Schwächen bei den Grundrechnungsarten, oder, genauer gesagt, drei der letzten sechs Winter waren zu kalt! Was eigentlich recht ungewöhnlich ist, denn in der Regel gibt es (und gab es schon vor der Erfindung der „Klimakatastrophe“!) viel mehr milde, als (dann meistens viel zu kalte) strenge Winter!

Der Höhepunkt wird dann mit der Schlagzeile „Bayern trocknet aus“ geliefert, wo an Hand des Sommers 2003 (ein Jahrzehntausendereignis!!) oder des April 2007 (mit einer Kombination aus Hitze und Trockenheit, wie sie nur alle paar Hundert Jahre vorkommt) suggeriert werden soll, dass Bayern schon im Begriff ist, auszutrocknen: Auch hier eine Richtigstellung: Zu nass waren sechs der letzten 10 Jahre, 2000 und 2002 sogar ganz erheblich, zu trocken war es nur 1998, 2003, 2004 und 2006! Wobei das Jahr 2003 aus diesen Betrachtungen eigentlich herausfallen müsste, denn ein solcher Ausreißer tritt nach der statistischen Wahrscheinlichkeit (von Klimatologen berechnet!) im Durchschnitt alle 9000 (!!!) Jahre auf; da wir uns nach Ansicht der Klimahysteriker in Zukunft häufiger (vielleicht sogar 50 bis 100mal häufiger?!?) auf solche Sommer einstellen müssen bedeutet das: Wir werden sie dann etwa alle 90 bis 180 Jahre erleben!! Da muss man sich wahrhaftig drauf einstellen…. Deutlicher konnten unsere Klima-Panikmacher ihre Inkompetenz wirklich nicht darstellen!

Über die weiteren Peinlichkeiten (mit einer Sommervorhersage, die schon Jägerhuber-Niveau erreicht!) möchte ich hier lieber nichts mehr sagen, abschließend vielleicht nur noch ein paar Daten zur Information für wirklich am Klima Interessierte: Das wärmste Jahr in München war 1994 und da alle anderen Jahre weitaus kälter waren, sieht es nicht so aus, als würde es seine Spitzenposition in absehbarer Zeit verlieren. Außerdem: Wenn man das Jahr 2003 aus bekannten Gründen außer Acht lässt, kommt 1959, das nächst trockene Jahr der letzten 50 Jahre, nur auf den 5.Platz der Dürrejahre der letzten 130 Jahre und der Spitzenreiter, 1943, hatte sogar noch 50 mm weniger, als 2003!

Oder, um allen Versteppungsängsten entgegenzutreten: Die trockensten Jahre bisher waren 1943, 2003, 1911, 1934, 1921, 1959, 1901, 1953 und 1887!!! Meistens schon lange her, oder: Klimakatastrophe und Dürre passt irgendwie nicht….

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Wetterpapst

Geboren 1944 in Waldenburg/Wüstegiersdorf (N.Schl.), Volksschule Beverungen/Weser 1951-1954, Realgymnasium (später Peutinger G.) Augsburg 1954-1963, Studium der Meteorologie, Physik, Geophysik, Geographie und Mathematik an der LMU in München, Diplom in Meteorologie 1969, Diplomarbeit: "Die Temperaturmessungen in München 1781-1968" (garantiert plagiatsfrei...). Wiss. Assistent im Met. Inst. der LMU München 1969-1970, Wetterdienstreferendar 1970-1972, Assessorprüfung 1972, Meteorologe im wissenschaftlichen Betriebsdienst beim DWD 1972-2009. Einsatzgebiete: Flugwetterwarte M-Riem 1972-1977 (als Flugmeteorologe), Wetteramt München (später: Niederlassung M. des DWD) 1977-2009 (als Flugmet. sowie Meteorologe im Vorhersagedienst und Wetterwarndienst mit Abordnungen nach Nürnberg und Erfurt). 1979 - 2009 Verfasser der Münchner klimatologischen Monatsrückblicke für die Süddeutsche Zeitung. Veröffentlichungen u.a. in WK des DWD, BWK, promet. 1988 acht Wochen Maritimmeteorologe als Leiter der Bordwetterwarte auf dem FSB Meerkatze mit Aufenthalten auf Grönland (Nuuk, Grönnedal, Ivigtut) und Island (Heimaey). Dienstliche Auslandsaufenthalte als Flugmet. in Istanbul, Kairo, Nairobi, Teheran, Bagdad, Toronto, Neu Delhi, Buenos Aires, Santiago und Los Angeles. Seit 1.8.2009 im dienstl. Ruhestand, seitdem Vortragstätigkeit über klimatologische Themen bei verschiedensten interessierten Kreisen von Rotariern bis Kollegstufengymnasiasten. Jederzeit zu Vorträgen oder Diskussionen in Gesprächskreisen bereit.

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